last update: 08-10-2004
   
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Das MARS - Exploratory Media Lab des Fraunhofer Instituts für Medienkommunikation veranstaltete im Oktober 2002 einen Expertenworkshop zu Thema "Online-Archive - Perspektiven vernetzter Wissensräume". Dies ist der Einleitungstext des vierten Panels, das sich mit dem Thema "Wissensräume und Ambient Spaces" widmete: "Die Frage, wie Internetplattformen und Datenbanken nicht nur metaphorisch, sondern physikalisch-real als begeh- und begreifbare Wissensräume umgesetzt werden können, ist eine der potentiellen Entwicklungslinien unter dem Vorzeichen des verschwindenden, mobilen, allgegenwärtigen und vernetzten Computers. Das letzte Panel des Workshops fokussiert auf Strategien der mixed reality und damit der Überlagerung und Durchdringung physikalischer und elektronischer Wissensräume."
Eine Online-Dokumentation des Workshops ist zugänglich unter
» http://netzspannung.org/workshops/online-archives


_Vom Netz zum Raum

Meine Damen und Herren,
Guten Tag, mein Name ist Jochen Denzinger und ich begrüße Sie zu diesem vierten und letzten Panel des Workshops. Thema dieses Panels sind Wissensräume und Ambient Spaces.

Was nun hat das Thema mit netzspannung.org zu tun?
netzspannung entsteht im Kontext Medienkunst - Gestaltung und Informatik sind dabei inbegriffen.
Das Thema “Ausstellen” einerseits und “Nutzen digitaler Technologien” andererseits ist in diesem Zusammenhang natürlich selbstreferentiell – Form und Inhalt verstanden als eine Einheit.
- Eine Entwicklung, die sich übrigens derzeit im musealen Kontext insgesamt feststellen lässt: einerseits wurde erkannt, dass das Internet mehr als eine interaktive Broschüre ist und es werden Online-Ausstellungen konzipiert, die die Ausstellungen vor Ort in den Museen begleiten und ergänzen, andererseits gibt es das Phänomen des “medialen Hochrüstens” von Ausstellungen, des intensiven Nutzens medialer, Partizipation erlaubender Kommunikationsstrategien.
Im kulturellen Kontext lassen sich zwei Trends ausmachen.
Für netzspannung ergibt sich auch im Sinne der Community-Bildung und eines angestrebten öffentlichen Diskurses zu Aspekten digitaler Kultur die Notwendigkeit , nicht nur eines Produktionsortes – also der Ort an dem die Internetplattform ausgebaut und gepflegt wird – sondern auch eines Ortes der Kommunikation und des Ausstellens als einem Kulminationspunkt verschiedener Aktivitäten.
Zum zweiten geht es MARS natürlich auch um eine - wenn man so sagen will - Vision, um ein Idealbild, um ein Interesse. Und dieses Interesse zielt auf eine nahtlose Verknüpfung des digitalen Raums mit dem physischen Raum, der Erweiterung der Internetplattform in den Umgebungsraum, der gegenseitigen Durchdringung von Netz und Raum.
Für netzspannung.org bietet sich dabei die wohl einmalige Chance, nicht nur metaphorisch zu einem begehbaren Wissensraum zu werden.
Das Thema –Mixed Reality und Ambient Spaces – steht dabei natürlich derzeit auch auf vielen Forschungsagenden; auch dieser Kontext, die Forschung und das für die Medienkunst wichtige Experiment, sollte nicht vernachlässigt oder vergessen werden.
Interessant scheint mir- und das zeigen hoffentlich die folgenden Vorträge - das sich derzeit dabei Forschungsinstitute aus dem wissenschaftlichen Bereich auf das Feld, die Application Domain , der Kultur zu bewegen und andererseits aus der Kultur heraus, also von Museen oder Communities wie netzspannung.org, ein starkes Interesse an der nahtlosen Zusammenführung von Realraum und Digitalraum und der resultierenden User Experience besteht. Ubiquitous Computing – die Allgegenwart des Computers – ist eine Ist-Situation, keine Zukunftsmusik.
Verantwortlich sind dafür sinkende Produktionskosten bei gleichzeitig steigender Leistung. Moores Law, das besagt, dass sich Prozesorengeschwindigkeit und Speicherkapazität alle 18 Monate verdoppeln ist nach wie vor gültig, auch wenn sich die Taktung des Fortschritts inzwischen auf eine Verdopplung alle 24 Monate verlangsamt hat. Die uns bekannte Folge: Computer werden immer kleiner, immer schneller, immer billiger.
Chips sind integriert – eingebettet- in die Dinge des Alltags: in Zahnbürsten, Waschmaschine, Automobile.
Dasselbe gilt für Sensoren . Auch diese werden zunehmend integriert – Und Wichtig dabei: Sensoren ermöglichen dem Computer das Wahrnehmen seiner Umgebung und des Kontextes. In Konsequenz ist schließlich ein drittes Feld dieser Integrationsbewegung zu nennen – das der Interfaces.
Auch Interfaces werden zunehmend integriert und damit unsichtbar. Das Konzept der Ambient Interfaces beschreibt die vollständige Integration der Interfaces - ihr Auflösen - in der Umwelt.
Ubiquitous computing – pervasive computing oder ambient intelligence sind andere gebräuchliche Termini – bedeutet das Erweitern und Anreichern von Objekten und Räumen - also der dinglichen Umwelt - mit den Möglichkeiten und Fähigkeiten der digitalen Technologien.
Damit wird ubicomp zu einem Paradigma für die Human-Computer-Interaction und multimodale Interfaces, jenseits herkömmlicher Graphical User Interfaces sind erforderlich
Ambient Interfaces bedeutet also nicht mehr und nicht weniger, als ihre Integration in Objekte und den Raum selbst. Womit wir beim nächsten Stichwort – Mixed Reality angekommen wären.
Mixed Reality thematisiert die Verbindung von Realraum und Digitalraum.
Das Ziel ist dabei eine für den Menschen – und ich rede hier vom Menschen, nicht vom Nutzer! - möglichst natürliche Interaktion, die auf Devices wie Datenbrillen, Datagloves usw. verzichtet.
Zielsetzung muss es sein, dass sich die Maschine in die Umwelt des Menschen kognitiv integriert und nicht, dass der Nutzer zum Cyborg wird oder aber in den Computer integriert wird – wie bspw. in der CAVE.
Die große Herausforderung ergibt sich aus der HCI-Perspektive dabei insbesondere im Bereich des Erkennens der per se beliebigen digitalen Fähigkeiten von Objekten und Räumen. Woran erkenne ich Computer, wenn Computer nicht mehr wie Computer aussehen?
Es fehlen natürliche Anzeichen oder Affordances, die Hinweise auf Funktionalität, Gebrauch und Wesen geben können.
Diese müssen gestaltet werden.
Zu Beobachten ist in diesem Kontext derzeit also eine Aufeinanderzubewegung von zwei Seiten: Der digitale Raum bewegt sich in Richtung des physischen Realraums. Und umgekehrt.
Wo und wie sie sich treffen?
Das ist sicherlich nicht eindeutig und binär zu beantworten – es gibt verschiedene Ansätze und Interpretationen.
In diesem Panel werden wir vier dazu sehen und diskutieren können.






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