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Das MARS - Exploratory Media Lab des Fraunhofer Instituts für Medienkommunikation
veranstaltete im Oktober 2002 einen Expertenworkshop zu Thema "Online-Archive
- Perspektiven vernetzter Wissensräume". Dies ist der Einleitungstext
des vierten Panels, das sich mit dem Thema "Wissensräume und
Ambient Spaces" widmete: "Die Frage, wie Internetplattformen
und Datenbanken nicht nur metaphorisch, sondern physikalisch-real als
begeh- und begreifbare Wissensräume umgesetzt werden können,
ist eine der potentiellen Entwicklungslinien unter dem Vorzeichen des
verschwindenden, mobilen, allgegenwärtigen und vernetzten Computers.
Das letzte Panel des Workshops fokussiert auf Strategien der mixed reality
und damit der Überlagerung und Durchdringung physikalischer und elektronischer
Wissensräume."
Eine Online-Dokumentation des Workshops ist
zugänglich unter
»
http://netzspannung.org/workshops/online-archives
_Vom Netz zum Raum
Meine Damen und Herren,
Guten Tag, mein Name ist Jochen Denzinger und ich begrüße Sie
zu diesem vierten und letzten Panel des Workshops. Thema dieses Panels
sind Wissensräume und Ambient Spaces.
Was nun hat das Thema mit netzspannung.org zu tun?
netzspannung entsteht im Kontext Medienkunst - Gestaltung und Informatik
sind dabei inbegriffen.
Das Thema Ausstellen einerseits und Nutzen digitaler
Technologien andererseits ist in diesem Zusammenhang natürlich
selbstreferentiell Form und Inhalt verstanden als eine Einheit.
- Eine Entwicklung, die sich übrigens derzeit im musealen Kontext
insgesamt feststellen lässt: einerseits wurde erkannt, dass das Internet
mehr als eine interaktive Broschüre ist und es werden Online-Ausstellungen
konzipiert, die die Ausstellungen vor Ort in den Museen begleiten und
ergänzen, andererseits gibt es das Phänomen des medialen
Hochrüstens von Ausstellungen, des intensiven Nutzens medialer,
Partizipation erlaubender Kommunikationsstrategien.
Im kulturellen Kontext lassen sich zwei Trends ausmachen.
Für netzspannung ergibt sich auch im Sinne der Community-Bildung
und eines angestrebten öffentlichen Diskurses zu Aspekten digitaler
Kultur die Notwendigkeit , nicht nur eines Produktionsortes also
der Ort an dem die Internetplattform ausgebaut und gepflegt wird
sondern auch eines Ortes der Kommunikation und des Ausstellens als einem
Kulminationspunkt verschiedener Aktivitäten.
Zum zweiten geht es MARS natürlich auch um eine - wenn man so sagen
will - Vision, um ein Idealbild, um ein Interesse. Und dieses Interesse
zielt auf eine nahtlose Verknüpfung des digitalen Raums mit dem physischen
Raum, der Erweiterung der Internetplattform in den Umgebungsraum, der
gegenseitigen Durchdringung von Netz und Raum.
Für netzspannung.org bietet sich dabei die wohl einmalige Chance,
nicht nur metaphorisch zu einem begehbaren Wissensraum zu werden.
Das Thema Mixed Reality und Ambient Spaces steht dabei natürlich
derzeit auch auf vielen Forschungsagenden; auch dieser Kontext, die Forschung
und das für die Medienkunst wichtige Experiment, sollte nicht vernachlässigt
oder vergessen werden.
Interessant scheint mir- und das zeigen hoffentlich die folgenden Vorträge
- das sich derzeit dabei Forschungsinstitute aus dem wissenschaftlichen
Bereich auf das Feld, die Application Domain , der Kultur zu bewegen und
andererseits aus der Kultur heraus, also von Museen oder Communities wie
netzspannung.org, ein starkes Interesse an der nahtlosen Zusammenführung
von Realraum und Digitalraum und der resultierenden User Experience besteht.
Ubiquitous Computing die Allgegenwart des Computers ist
eine Ist-Situation, keine Zukunftsmusik.
Verantwortlich sind dafür sinkende Produktionskosten bei gleichzeitig
steigender Leistung. Moores Law, das besagt, dass sich Prozesorengeschwindigkeit
und Speicherkapazität alle 18 Monate verdoppeln ist nach wie vor
gültig, auch wenn sich die Taktung des Fortschritts inzwischen auf
eine Verdopplung alle 24 Monate verlangsamt hat. Die uns bekannte Folge:
Computer werden immer kleiner, immer schneller, immer billiger.
Chips sind integriert eingebettet- in die Dinge des Alltags: in
Zahnbürsten, Waschmaschine, Automobile.
Dasselbe gilt für Sensoren . Auch diese werden zunehmend integriert
Und Wichtig dabei: Sensoren ermöglichen dem Computer das Wahrnehmen
seiner Umgebung und des Kontextes. In Konsequenz ist schließlich
ein drittes Feld dieser Integrationsbewegung zu nennen das der
Interfaces.
Auch Interfaces werden zunehmend integriert und damit unsichtbar. Das
Konzept der Ambient Interfaces beschreibt die vollständige Integration
der Interfaces - ihr Auflösen - in der Umwelt.
Ubiquitous computing pervasive computing oder ambient intelligence
sind andere gebräuchliche Termini bedeutet das Erweitern und
Anreichern von Objekten und Räumen - also der dinglichen Umwelt -
mit den Möglichkeiten und Fähigkeiten der digitalen Technologien.
Damit wird ubicomp zu einem Paradigma für die Human-Computer-Interaction
und multimodale Interfaces, jenseits herkömmlicher Graphical User
Interfaces sind erforderlich
Ambient Interfaces bedeutet also nicht mehr und nicht weniger, als ihre
Integration in Objekte und den Raum selbst. Womit wir beim nächsten
Stichwort Mixed Reality angekommen wären.
Mixed Reality thematisiert die Verbindung von Realraum und Digitalraum.
Das Ziel ist dabei eine für den Menschen und ich rede hier
vom Menschen, nicht vom Nutzer! - möglichst natürliche Interaktion,
die auf Devices wie Datenbrillen, Datagloves usw. verzichtet.
Zielsetzung muss es sein, dass sich die Maschine in die Umwelt des Menschen
kognitiv integriert und nicht, dass der Nutzer zum Cyborg wird oder aber
in den Computer integriert wird wie bspw. in der CAVE.
Die große Herausforderung ergibt sich aus der HCI-Perspektive dabei
insbesondere im Bereich des Erkennens der per se beliebigen digitalen
Fähigkeiten von Objekten und Räumen. Woran erkenne ich Computer,
wenn Computer nicht mehr wie Computer aussehen?
Es fehlen natürliche Anzeichen oder Affordances, die Hinweise auf
Funktionalität, Gebrauch und Wesen geben können.
Diese müssen gestaltet werden.
Zu Beobachten ist in diesem Kontext derzeit also eine Aufeinanderzubewegung
von zwei Seiten: Der digitale Raum bewegt sich in Richtung des physischen
Realraums. Und umgekehrt.
Wo und wie sie sich treffen?
Das ist sicherlich nicht eindeutig und binär zu beantworten
es gibt verschiedene Ansätze und Interpretationen.
In diesem Panel werden wir vier dazu sehen und diskutieren können.
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